Daniel Kötter

Fluss (Stadt Land)

VR-Musiktheater

Daniel Kötter / Hannes Seidl

Fluss (Stadt Land)
VR-Musiktheater

26.-28.9.2019 Kontakte Festival Berlin, Akademie der Künste
Januar 2020 Mousonturm Frankfurt

 

Auf welche Weise produziert die global vernetzte Welt neue Räume der Isolation? Und wie lässt sich – mit den Mitteln des Musiktheaters – jene Spanne zwischen Isolation und Vernetzung als ein Auftrag verstehen für Publikum und Theatermacher?

In Fluss (Stadt Land), dem dritten Teil der Trilogie Stadt Land Fluss, ist das Publikum für eine Stunde an zwei Orten zugleich: Als Gruppe teilt es einen darstellerlosen, leeren Bühnenraum, in dem es auf sich selbst zurückgeworfen ist. Vereinzelt, und von der Gruppe isoliert durch eine VR-Brille, wird jede*r Besucher*in aber gleichzeitig an einen jener Orte versetzt, an dem die Frage nach Zugehörigkeit zu einer Schutz bietenden Gesellschaft auf dem Spiel steht: an die Außengrenze der EU, an das Ufer des Grenzflusses Evros zwischen Griechenland und der Türkei.

Der Film wurde mit einer 360°-Kamera in einer einzigen, 50minütigen, schnittlosen Aufnahme im Morgenlicht am Ufer des winterlichen Evros-Flusses gedreht. Nur wenige Requisiten in der 360°-Panorama-Landschaft erinnern an eine gewesene Anwesenheit: eine Holzhütte, Planen, ein halb fertig gebauter Grenzzaun, ein streunender Hund. Die Leere am Grenzfluss ist die Bedingung unseres Zusammenlebens im Zentrum; keine Stadt, kein Land ohne Fluss. Fluss (Stadt Land) ist ein Abschluss und ein Neubeginn, eine Grenzerfahrung.

Fluss (Stadt Land) ist der abschließende Teil der Trilogie Stadt Land Fluss. Die drei abendfüllenden Musiktheaterstücke beschäftigen sich mit spezifischen Formen des Zusammenlebens, in der Diversität urbaner Konstellationen (Stadt), in überschaubaren Netzwerken ruraler Umgebung (Land) und unter den Bedingungen der geographischen und sozio-ökonomischen Isolation (Fluss). Die Thematik bestimmt dabei immer auch das Zusammenspiel der Medien im Stück selbst. Wie schon in den ersten beiden Teilen der Trilogie falten Kötter/Seidl in Fluss (Stadt Land) den Außenraum in den Innenraum und thematisieren die Bühne als Klang- Raum des temporären Zusammenlebens des Publikums.